Während sich der “Corona Virus” auf den Inseln Boa Vista und Santiago ausbreitet, ist Santo Antao nach wie vor ohne Fälle von Covid19. Nach 3 wöchiger Quarantäne und strengen Auflagen gibt es ab heute wieder etwas Normalität auf den Inseln, ohne Infektionsfälle. Der Verkehr zwischen den Inseln, bleibt allerdings unterbrochen. Wenn ihr die Entwicklung und die Maßnahmen auf den Kapverden aktuell verfolgen wollt, könnt ihr das hier: https://www.asemana.publ.cv/ tun.

Hochsaison, ohne Gäste

Nachdem Ende März unsere letzten Gäste abreisten, wurde es auch in anderen Regionen der Insel ruhiger. Mitten in der Hochsaison , die normalerweise geprägt ist durch Wandergruppen, Live Musik, rege Betriebsamkeit, Taxis, gefüllte Lokale und Pensionen,…. Stille! Fluggesellschaften stellten ihre Flüge ein, Touristen wurden in ihre Heimatländer zurück gebracht. Schulen, Internate, Pensionen, Restaurants und Hotels wurden geschlossen. Unternehmen mussten ihre Arbeiten einstellen. Menschen wurden aufgefordert in ihren Häusern zu bleiben, es gab und gibt ständige Aufklärungs- und Präventionsarbeit. Über Radio- Zeitung- Fernsehen und Internet, werden die Kapverdier aktuell über den Stand der Infektionsfälle und notwendige Maßnahmen informiert. Respekt!!

Leider kamen die Maßnahmen auf Boa Vista und Santiago etwas zu spät. Der erste “Corona Fall” betraf einen englischen Touristen, der daran verstarb, weitere 3 Touristen waren infiziert. Die meisten folgenden Fälle dort, waren Mitarbeiter des Hotels. Durch sofortige Quarantänemaßnahmen konnte die Ausbreitung zwar nicht verhindert, aber lokal begrenzt werden. Auf Santiago macht es den Anschein, dass das Problem etwas außer Kontrolle gerät. Täglich gibt es Meldungen von neuen Infektionsfällen, die sich in verschiedenen Regionen der Insel manifestieren.

Für ganz Kapverden wurde der Ausnahmezustand verhängt und fast alles kam von heute auf morgen zum Erliegen. Sehr schnell kam es aufgrund von Erwerbslosigkeit zu Engpässen in Familien, welche generell nahe am Existenzminimum leben. Aber auch darauf hatte die Regierung eine Antwort und startete zeitnah verschiedene Hilfsprogramme…

Was die “Stilllegung” für das gesamte Land bedeutet, wird sich zeigen. Ohne umfangreiche Hilfen von Außen, wird es wohl nicht möglich sein, dort anzuknüpfen wo es vor der Krise aufhörte. Aber es hat auch gezeigt, wie groß die Solidarität und Hilfsbereitschaft untereinander, wie stark der Zusammenhalt in den Familien, wie respektvoll der Umgang miteinander sind und welche Achtung und Akzeptanz den Maßnahmen der Regierung entgegen gebracht werden.

Haus am Weg im April

Wir freuen uns immer auf unsere Gäste und waren natürlich auch traurig, einige von ihnen nicht mehr empfangen zu können. (zumindest nicht im geplanten Zeitraum) Wenn es die Umstände wieder zulassen, werden einige sicher ihren Besuch nachholen?! Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Im zweiten Anlauf klappt es bestimmt! Wir freuen uns!

Auch wir haben geplante Aktivitäten zum Osterfest absagen müssen. Freiwillig befanden wir uns 14 Tage in häuslicher Quarantäne und vermieden jeglichen Kontakt zu Einheimischen. All unsere Zuwendung galt dem Garten. Die noch gut gefüllten Gefrierschränke, mit Spezialitäten für unsere Gäste und der prachtvoll bestückte Gemüsegarten, stellten mich wieder vor besondere Herausforderungen. Da diese Saison absehbar beendet ist, galt und gilt es alles Vorhandene zu verarbeiten. So schlagen wir uns seit 4 Wochen als “Selbstversorger” durch und genießen viele Leckereien, um Kosten und Ressourcen zu sparen. Natürlich lassen wir auch Menschen hier daran teilhaben und tauschen z.B. Gemüse aus dem Garten, für den Menschen- gegen Futter vom Feld für die Ziegen.

O senhor Nelson, ein Freund aus der Ribeira das Patas schenkte uns ca 250g Rohkaffee aus eigenem Anbau, über welchen wir uns natürlich riesig freuten, welcher uns allerdings auch vor neue Aufgaben stellte, bis er endlich in der Tasse landete! Wir haben gelernt, dass Kaffee gar nicht teuer genug sein kann!! Allein für das entfernen der Schalen haben wir zwei, Marcus und ich, bestimmt 4 Stunden gebraucht. Das Rösten der Bohnen war noch der leichteste Teil der Übung. Der Mahlvorgang nahm dann noch einmal ca. 2 Stunden in Anspruch unter zur Hilfenahme eines Fleischklopfers, eines Mörsers und einer Teigrolle, ist es uns gelungen, im Ergebnis 200g “Kaffee de casa” zu gewinnen. Jeden Sonntag genießen wir nun eine Tasse davon! 😉

Es war ruhig, sehr ruhig, friedlich, entspannt, …. Schön!!! Es fuhren keine Aluguers, die Menschen blieben in ihren Häusern, keine Wanderer, keine Schulbusse, keine Feste, …. nur das Ernten des Zuckerrohrs und die Verarbeitung dessen zu Grogue ließen sich die Kapverdier nicht nehmen. Die Felder sind ausgedünnt und aufgearbeitet. Lachende, kommunizierende, singende und glückliche Menschen bei der Ernte und die täglichen Dampfwolken, die aus den Brennereien aufsteigen vermittelten etwas Normalität.

Wir nutzten die Zeit, um zu beobachten, was in der Welt passiert, um Nachzudenken über das, was jetzt passiert, um zu reflektieren, warum es passiert und um Schlüsse daraus für die Zukunft zu ziehen. Auch wurden Erinnerungen an die Zeit wach, zu welcher wir hier das erste mal waren und zu welcher wir uns in das Stückchen Land hier verliebten…

Nun, nachdem der Ausnahmezustand aufgehoben ist, bietet sich auch für uns wieder etwas mehr Handlungsspielraum. Wir werden neue Wanderwege für euch testen, kleine Bauarbeiten im Gelände angehen, den Garten weiter gestalten, uns um einen “Gast- Bot” für unsere Ziegen bemühen, ein neues Gehege für unsere Hühner bauen usw. usw. Viel geschenkte Zeit für viele Ideen und zum Glück Gesundheit!!!

Wir sind gespannt, wann es weiter geht und guter Hoffnung, dass es schon bald wieder möglich sein wird, unter bestimmten Auflagen, Santo Antao zu besuchen. Bis dahin verfolgen wir das Geschehen und die Entwicklung in Europa.

Ganz herzliche Grüße an euch, unsere Gäste. Wir hoffen, dass es euch allen gut geht?! Wir freuen uns über ein Lebenszeichen von euch, auch wenn wir nicht garantieren, auf alle zu antworten. 😉

Wir wünschen euch und uns für die Zukunft positive Energie, neue Ideen und Lebensfreude! Weniger ist mehr!!

Bleibt gesund,

Diane und Marcus

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